Sind Notarkostenrechnungen immer richtig?

No­ta­re gehören zu den Per­so­nen, de­nen ein Großteil der Be­völ­ke­rung be­din­gungs­los vertraut. Das fol­gen­de Er­leb­nis einer Man­dan­tin gibt An­lass, daran zu zweifeln.

Im Früh­jahr 2013 such­te die Man­dan­tin einem Notar im Südhessischen auf, um ei­ne Er­klä­rung be­ur­kun­den zu las­sen.  Ge­le­gent­lich dieses Vor­gangs wurde sie vom Notar angesprochen, ob sie denn schon ei­ne Vor­sor­ge­voll­macht erstellt hät­te. Dies Fra­ge verneinte sie. Den Vor­schlag des Notars, er könne ihr mal sein Mus­ter schicken, ver­stand die Da­me nicht als Auf­trags­er­tei­lung. Sie war da­her sehr über­rascht, als sie nach vier Jah­ren ei­ne No­tar­kos­ten­rech­nung über ei­nen Ent­wurf er­hi­elt. Das Mus­ter hatte sie seinerzeit zwar bekommen, al­ler­dings entsorgt.

Mein Auf­trag war daher zu prüfen, ob überhaupt ein No­tar­ver­trag zustandegekommen war. Bei der Prü­fung dieses Vor­gangs stellte sich heraus, dass der No­tar nach  dem neu­en Ge­richts­kos­ten und No­tar­kos­ten­ge­setz abgerechnet hatte, obwohl seine Tätigkeit seinerzeit noch unter der Geltung der Kostenordnung stattgefunden hat­te, die er dem­zu­fol­ge bei seiner Rechnung hät­te zugrundelegen müssen. Er hatte also das falsche Gesetz angewendet.

Auf die­sen Hin­weis über­sand­te der No­tar eine neue Rech­nung, in der er den Ge­gen­stands­wert ohne ein Wort der Begründung ver­dop­pelt hat­te. Die neue Rech­nung fiel al­so höher aus, als die ursprüngliche!

Ich ha­be de­n Notar da­her noch einmal angeschrieben und mitgeteilt,  dass  sei­ne ur­sprüng­li­che Schätzung des Ge­gen­stands­wer­tes und erst recht die Ver­dop­pe­lung dieses Ge­gen­stands­wer­tes ohne jegliche Grundlage ist. Gleich­zei­tig ha­be ich ihm dar­ge­legt, wie mei­ner Meinung nach seine Rechnung aussehen müsste.

Die daraufhin im 3. Anlauf erstellte Rechnung war nun endlich korrekt.  Es war keine komplizierte Sache,  Der neue Rech­nungsbetrag liegt nun über 400 € un­ter dem, was der No­tar zwischenzeitlich in Rechnung gestellt hatte.

Nach ei­ner Ent­schul­di­gung sucht man im Begleitschreiben und in der Rechnung natürlich vergebens. Das Ver­hal­ten dieses No­ta­ri­ats lässt sich nur so in­ter­pre­tie­ren, dass ent­we­der falsche Rechnungen ‑ alle Rechnungen waren selbst­ver­ständ­lich vom Notar un­ter­schrie­ben wor­den ‑ be­wußt über­höht aus­ge­stellt wer­den. Oder aber das Schrei­ben der Rech­nun­gen ist an ei­ne Per­son de­le­giert, die da­für völlig unqualifiziert ist.

Es fällt schwer zu glauben, dass die­se Vorgehensweise in die­sem No­ta­ri­at ein Einzelfall ist. Das Ver­trau­en, dass die Bevölkerung in das Arbeiten von No­ta­ria­ten hat, wird durch sol­che Ge­schäftsprak­ti­ken je­den­falls mas­siv beschädigt.

 

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